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N26 Bank kündigt Konten und zahlt Gelder nicht zurück - was Betroffene jetzt tun können


Hunderte von Kunden der N26 Bank GmbH weltweit staunten im September/Oktober 2022 nicht schlecht über die E-Mail mit dem Betreff „Cancellation of your account“ in ihrem Posteingang. Die Bank kündigte Konten massenweise und fristlos. Betroffene Kunden haben seitdem keinen Zugriff mehr auf ihren Account. Bankdaten können nicht mehr abgerufen werden und was am schwerwiegendsten ist: Kunden erhalten ihre Gelder nicht zurück.


Erfahren Sie in diesem Beitrag ermehr über die Hintergründe der Kündigungswelle und was Sie als Betroffener tun können, um an ihr Geld zu kommen.



Kündigugen en masse - Guthaben eingefroren


Die N26 hat eine Welle von Kontokündigungen losgetreten. Betroffene Kunden erhielten eine standardisierte E-Mail, mit der die Bank die sofortige Kündigung des Vertragsverhältnisses erklärte. Die Bank verwies auf Routineprüfungen, aufgrund derer „Unregelmäßigkeiten“ festgestellt wurden. Diese Feststellung würde nun eine außerordentliche Kündigungen erforderlich machen.


Die Kündigungen stehen in Zusammenhang mit einer standardisierten, IT-gestützten Überwachung der Kundenbeziehungen. Bei Banken analysieren Computeralgorithmen fortlaufend Transaktionen mit Blick auf das Risiko der Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung und weisen jedem Kundenprofil eine individuelle Risikokennziffer zu. Ergibt sich hierbei ein hoher Wert, sind Banken verpflichtet, die betroffenen Kunden engmaschiger zu überwachen und ggf. weitere Informationen über die Herkunft der Vermögenswerte einzuholen (sog. Mittelherkunftsnachweis).


Bei der N26 scheint es so, als wollte sie sich des damit verbundenen Mehraufwandes durch schlichte Kündigung von Geschäftsbeziehungen entledigen. Dafür nimmt die Bank sogar auf der Seite ihrer Kunden gravierende Folgen in Kauf. Ohne Kontozugriff können Rechnungen oder Mieten nicht mehr bezahlt werden, Geschäftskunden können Rufschädigungen erleiden etc.


Betroffene schildern, dass selbst nach Übermittlung umfangreicher Mittelherkuftsnachweise keine Auszahlung der Guthaben erfolgt ist. Es gibt Fälle, in denen die Bank die Kommunikation eingestellt hat. Es wird auch berichtet, dass der Kontakt von der Bank gar nicht erst erwiedert wurde.



Was Betroffene tun können


Hat die Bank auch nach der Vorlage von Informationen über die Herkunft der Gelder diese nicht wieder ausgezahlt, ist es an der Zeit, weitere Schritte zu gehen.


Zunächst können Betroffene außergerichtlich gegen die N26 vorgehen. Die Bank sollte zur Rückzahlung des verbliebenen Guthabens explizit aufgefordert werden. Hier ist es wichtig, das gekündigte Konto durch Angabe der IBAN zu identifizieren, der Bank eine eindeutige Frist zur Rückzahlung zu setzen und die Bankverbindung des Empfängerkontos anzugeben. Wird die Bank per E-Mail zur Auszahlung aufgefordert, sollte die E-Mail-Adresse verwendet werden, die der N26 bereits bekannt ist. Aus Gründen der Beweissicherung empfiehlt sich aber, die Aufforderung schriftlich per Einschreiben zu versenden. Durch ein anwaltliches Schreiben kann der Forderung mehr Nachdruck verliehen werden.


Reagiert die Bank innerhalb der gesetzten Frist nicht, kann die Erwirkung von Eilrechtsschutz vor dem zuständigen Gericht angezeigt sein. Spätestens hier ist die Hinzuziehung eines Anwalts in der Regel notwendig. Im Eilverfahren trifft das Gericht seine Entscheidung üblicherweise zügig. Es ist erforderlich, dem Gericht die Eilbedürftigkeit glaubhaft zu machen. Ist der Titel erwirkt, kann mit einer zeitnahmen Auszahlung des Geldbetrages durch N26 gerechnet werden. Denn andernfalls droht der Bank die Pfändung, was sie freilich nicht in Kauf nehmen wird.



Schadensersatzansprüche prüfen


Neben der bloßen Rückzahlung des Guthabens können auch Schadensersatzansprüche gegeben sein, wenn dem Betroffenen ein Schaden entstanden ist. Die maßgebliche Pflichtverletzung der N26 kann sich insbesondere aus der Rechtswidrigkeit einer außerordentlichen Kündigung ergeben, da die Bank nach ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen hierzu nur berechtigt ist, wenn ein wichtiger Grund gegeben ist. Ein Schadensersatzanspruch kann aber auch auf der rechtswidrigen Zurückbehaltung des Geldes beruhen.



Wer zahlt Anwalts- und Gerichtskosten?


Nach deutschem Recht bezahlt derjenige die Kosten des Rechtsstreits, der ihn verliert. Wurde die N26 durch Gerichtsentscheid zur Rückzahlung des Kontoguthabens aufgefordert, hat sie neben den Gerichtskosten auch die Anwaltskosten des betroffenen N26-Kunden zu tragen.



Kontakt:


Dr. Hendrik Müller-Lankow

Rechtsanwalt, LL. M. (UCL)

mueller-lankow@kronsteyn.law

Hendrik Müller-Lankow