Anwaltskanzlei für Aufsichts- und Finanzrecht

  • Dr. Hendrik Müller-Lankow

Maker-Taker- und Taker-Maker-Modelle: Was ist der Unterschied?

Aktualisiert: 6. Juni


Liquiditätsgeber (Liquidity Provider) erfüllen im Börsenhandel wichtige Funktionen. Sie stehen anderen Marktteilnehmern durch die Einstellung von Orders im Orderbuch für Käufe und Verkäufe zur Verfügung.


Dadurch steigern sie auch die Attraktivität des Handelsplatzes. Denn die Preise werden besser, d. h. der Spread im Orderbuch wird enger, und das handelbare Volumen steigt.


Im Wettbewerb untereinander wundert es daher nicht, dass Handelsplatzbetreiber verschiedene Modelle entwickelt haben, um Liquiditätsgebern finanzielle Anreize zu geben, um auf ihrem Handelsplatz Liquidität bereitzustellen.


Zwei dieser Modelle sind das Maker-Taker-Modell und das Taker-Maker-Modell.



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Bild: Ahmad Ardity

​Dieser Beitrag ist ein Kurzfassung aus dem Werk Market-Making - Eine aufsichtsrechtliche Analyse des Market-Makings im Rahmen multilateraler und bilateraler Systeme von Dr. Hendrik Müller-Lankow, welches im Nomos Verlag erschienen ist.



Was ist das Maker-Taker-Modell?


Eine mögliche Vergütungsform im Börsenhandel ist das Maker-Taker-Modell. Handelsteilnehmer, die dem Markt Liquidität zuführen, indem sie limitierte Orders an das Orderbuch übermitteln (Maker), erhalten pro passiv ausgeführter Order eine Vergütung.


Anstelle der Auszahlung einer Vergütung ist es auch denkbar, dass der Handelsplatzbetreiber für die ausgeführte Order lediglich ein reduziertes oder gar kein Transaktionsentgelt in Rechnung stellt.



Was sind passive und aggressive Orders?


Man spricht von einer passiven Order, wenn ihr Limit so bemessen ist, dass sie in das Orderbuch eingestellt wird. Das heißt sie wird nicht sofort gegen eine bereits im Orderbuch befindliche Order ausgeführt.


Orders, die dem Markt Liquidität entziehen, indem sie im Orderbuch befindliche Orders zur Ausführung bringen (Taker), sind aggressive Orders.


Für die Ausführung von aggressiven Orders muss der Handelsteilnehmer ein Transaktionsentgelt an den Handelsplatzbetreiber entrichten. Dieses wird dann wiederum darum teilweise dafür verwendet, um dem Maker einen Rabatt zu gewähren bzw. eine Vergütung zu zahlen.



Maker-Taker-Modell an der Börse Berlin


Das Maker-Taker-Modell wurde etwa von der Börse Berlin für das Handelsmodell Equiduct implementiert. Handelsteilnehmern wird für die Ausführung von passiven Orders lediglich ein reduziertes Transaktionsentgelt in Rechnung gestellt.


Im Übrigen sind Maker-Taker-Modelle in Deutschland unüblich. Üblicherweise gewähren Handelsplatzbetreiber finanzielle Anreize nicht jedem Handelsteilnehmer, soweit dieser als Maker tätig wird. Anreize werden bestimmten Handelsteilnehmern entweder als Gegenleistung für das Erfüllen bestimmter Quotierungspflichten oder, ohne dass Quotierungspflichten begründet werden, als Gegenleistung für das Erfüllen von näher definierten Quotierungszielen gewährt.



Was ist das Taker-Maker-Modell?


Das Gegenteil von Maker-Taker-Modellen sind Taker-Maker-Modelle. Hier zahlt der Handelsplatzbetreiber dem Taker für den Entzug von Liquidität eine Vergütung und stellt dem Bereitsteller von Liquidität ein Transaktionsentgelt in Rechnung.


Hiermit wird Marktakteuren ein Anreiz gegeben, als Taker sofort auf vorhandene Liquidität (des Makers) zurück zu greifen. Dies kann den Ausgleich von insbesondere großvolumigen Transaktionsinteressen eines Makers fördern.



FAQ


Was ist ein Maker-Taker-Modell im Börsenhandel?

Was ist ein Taker-Maker-Modell im Börsenhandel?


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